Heute keine Digility - aufgeschoben oder aufgehoben?

Heute hätte die Digility in Köln ihre Pforten öffnen sollen. Sie wurde aber vor einigen Wochen abgesagt und soll jetzt im September im Rahmen der DMEXCO stattfinden. Kurz darauf gaben die Veranstalter der VR/AR Global Summit Europe 2019 bekannt, dass es dieses Jahr keine Veranstaltung wie ursprünglich geplant, in Lissabon geben wird. Die Veranstaltung wird laut Organisatoren auf das nächste Jahr 2020 verschoben. Die in den letzten Jahren boomenden VR Messen scheinen ihren Zenit überschritten zu haben. Da stellt sich die Frage, ob das als Zeichen für die Branche im Allgemeinen zu werten ist. Ist dieser Trend gleichzusetzen mit dem VR-Markt an sich?

Ist der VR-Hype womöglich vorbei?

Ja, der Hype ist vorbei und das wurde unserer Meinung nach auch Zeit. Ein Hype geht immer mit übersteigerten Erwartungen einher. Jetzt beginnen wir, uns wirklich mit den realistischen Chancen und Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie zu beschäftigen. Die erste Verliebtheitsphase ist vorbei, die Liäson der Industrie mit VR gerät auf den Prüfstand! Und sie hält Stand mit Aussicht auf Verfestigung und Weiterentwicklung. In der jüngsten Marktanalyse von Hampleton Partners  werden Virtual und Augmented Reality in den kommenden Jahren starkes Wachstum erfahren, es wird auf 17,8 Milliarden Dollar geschätzt. Wir haben uns die Mühe gemacht und verschiedene VR- Studien evaluiert. Unser Fazit:  Immer mehr Unternehmen über verschiedene Branchen hinweg beschäftigen sich mit den Möglichkeiten, die diese Technologie bietet und vor allem KMUs erkennen die Chancen von VR für die Verbesserung eigener Evaluierungsprozesse. VR demokratisiert den Produkt Review, da diese Technologie nun nicht mehr nur für die großen Konzerne erschwinglich ist.

VR etabliert sich also, wieso schwinden dann die VR-Messen?

Die Messebranche steckt aktuell in einer generellen Daseins-Krise. Das ist nicht erst deutlich, seitdem die CeBIT in Hannover trotz Wiederbelebungsversuchen ein für alle Mal abgesagt wurde. Es drängt sich die Frage auf, ob Messen überhaupt noch zeitgemäß sind.

Messebesucher wollen sich in erster Linie über neue Trends und Lösungen in ihrer Branche informieren. In Zeiten von Google & Co. wird ein Messebesuch aus diesem Aspekt gesehen obsolet. Ein Tag intensiver Google-Recherche ist weit aus ergiebiger als ein ganztätiger Besuch einer Messe. Zumal die Reisezeit entfällt, und nie alle relevanten Anbieter auf der Messe vertreten sind, im Internet schon.

Aber auch Unternehmen müssen sich die Effizienzfrage stellen. Veranstaltungen sind sehr zeit- und kostenintensiv. Oft sind sie auch eine Blackbox für Unternehmen, da nie gewährleistet ist, dass die auf der Messe generierten Kontakte die Aufwände rechtfertigen. Da wird konsequent betriebenes Online-Marketing oftmals zur besseren Alternative. Es lässt sich genau tracken, wer sich für das Unternehmen und seine Produkte und Dienstleistungen interessiert. Zielgruppen lassen sich besser eingrenzen, konkreter ansprechen und mit relevanten Informationen versorgen. Streuverluste, die auf der Messe oft nicht zu vermeiden sind, können im Online-Marketing stark reduziert werden.

Bedeutet das ein Aus für Messen?

Nein, Messen werden immer ihre Daseinsberechtigung haben, allein schon, weil persönliche Kontakte und Kennenlerntermine durch keinerlei Technologie zu ersetzen sind. Aber deutlich wird auch, dass sich Veranstaltungsformate verändern müssen, um wirklich einen Mehrwert zu bieten und attraktiv zu bleiben. Dieser Wandel vollzieht sich gerade sehr massiv in der Branche. Messen werden zunehmend zu Events mit Unterhaltungscharakter und für den B2C Bereich ist diese Herangehensweise durchaus ein guter Weg.

VR und AR eignen sich hier hervorragend, weil sie Menschen ein Erlebnis vermitteln. Das Eintauchen in eine virtuelle Welt erzeugt immer einen Wow-Effekt. Das heißt, während reine Messen für das Thema VR/AR weniger werden, gibt es in anderen Messeformaten immer mehr Stände, die VR Applikationen einsetzen, um das eigene Produkt besser zu erklären oder den Besuchern eine kleine Reise an anderen Orte zur ermöglichen.

Warum sind reine VR-Veranstaltungen dann nicht mehr so populär?

Vermutlich liegt es an der Medialität von VR selbst:  VR und AR sind und bleiben ein Kommunikationstool, so wie anderen Medien auch. Niemand würde jemals auf die Idee kommen beispielweise eine Messe über Podcasts zu machen. Obwohl das Format Podcasts gerade überall gefeiert wird.

VR und AR erfüllen den Zweck, dass sich Menschen über Ideen und Visionen austauschen können und zwar indem Sie räumliche und zeitliche Grenzen überwinden. Damit sind diese Technologien per Definition ein Medium. Sie sind bereits etabliert.
Reine VR-Messen ziehen nicht mehr so viele Besucher an, umso mehr zeigt sich die VR/AR Technologie auf branchenspezifische Messen, wo VR als Medium genutzt wird um beispielsweise Kunden Ihre Fabrikanlage selbst am Messestand planen zu lassen und das Ergebnis dann digitalisiert abzulegen. So spielt VR auch für den b2b Bereich eine gewichtige Rolle.
Ein gutes Beispiel dafür ist die BAUMA2019, die im April in München. Diese nur alle vier Jahre stattfindende Messe brach alle Besucherrekorde. Erstmals hatten Besucher in einer eigenen AR/VR Halle die Möglichkeit, eine Baustelle virtuell zu erleben – dank Virtual und Augmented Reality. Auf der BAUMA konnten sich Unternehmen also erstmals komplett digital präsentieren.

 

VR-Ausblick

VR-Applikationen werden auf Messen in der Regel durch eine Person allein erlebt, das heiß, der Besucher setzt sich ein VR Headset auf und entschwindet in eine Welt, die nichts mehr mit der Messe und dem ursprünglichen Ansprechpartner verbindet. Sie separieren den potentiellen Kunden und führen ihn weg vom Hier und Jetzt, und damit weg von einer erfolgreichen Kommunikation mit dem Sales Manager. Besser wäre es doch, wenn der Anbieter mit dem Kunden gemeinsam in VR die Anlage begehen könnte und gegebenenfalls den Ingenieur direkt in VR dazu schalten könnte. Das würde bedeuten, dass nicht mehr das ganze Team vor Ort sein muss und damit weniger Personal am Messestand ist. Wir denken aber einen Schritt weiter und glauben, dass es für diese VR-Experience keiner Messe mehr bedarf. Notwendig hierfür ist eine Cloudplattform mit verschiedensten VR-Erlebnissen, die vom Unternehmen verwaltet werden. Kommunikation in VR wäre somit standortübergreifend von jedem Winkel der Welt aus möglich.